UMWELTFREUNDLICHE PRAKTIKEN AM BEISPIEL DER NACHHALTIGEN LANDWIRTSCHAFT

Angesichts des Klimawandels und seiner Auswirkungen müssen viele Branchen ihre Funktionsweisen überdenken. Ein Beispiel dafür ist die Landwirtschaft, die weltweit für ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Unter den ökologischen Ansätzen ist die biologische Landwirtschaft zweifellos eine der bekanntesten. Sie ist jedoch nicht die einzige. Fokus auf die nachhaltige Landwirtschaft, ein Zukunftsmodell, das Wirtschaft und Umweltschutz in Einklang bringen will.

Intensive Landwirtschaft laugt den Boden aus und verschmutzt Erde, Luft und Wasser. Zwischen 2001 und 2011 sind die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft um fast 15 % gestiegen. Heute ist der Sektor für 24 % der weltweiten Emissionen verantwortlich. Darunter sind zwei Gase besonders kritisch: Methan (CH4) aus der enterogenen Fermentation, Tierkot und aus Reisfeldern sowie Stickoxid (N2O) aus stickstoffhaltigen Düngemitteln. Dazu kommt das CO2 von den Landmaschinen.

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, diese Belastung zu reduzieren, setzen sich immer mehr Länder für eine Umstrukturierung ihrer Landwirtschaft ein. Unter den anerkannten Vorgehensweisen nimmt die ökologische Landwirtschaft eine starke Stellung ein: 2017 wuchs die Fläche für Bio-Anbau weltweit in nur einem Jahr um 8, 4 Prozent (+71, 3 % im Vergleich zu 2012!). Doch die ökologische Landwirtschaft allein kann nicht alle Probleme lösen. Einerseits sind ihre Erträge geringer als die der konventionellen Landwirtschaft und können daher die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht befriedigen. Andererseits entspricht die biologische Massenproduktion nicht immer ethischen und umweltfreundlichen Praktiken. Insofern bietet die nachhaltige Landwirtschaft eine weniger radikale, aber für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen geeignete Lösung.

Eine Landwirtschaft nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit

Die nachhaltige Landwirtschaft basiert auf dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung, das 1987 im Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen dargelegt wurde. Dessen Grundidee besteht darin, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, um den „Bedürfnissen der Gegenwart“ gerecht zu werden, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihren eigenen Bedarf zu decken . Mit anderen Worten: die nachhaltige Landwirtschaft will die Bevölkerung ernähren und weiterentwickeln, ohne dabei die natürlichen Ressourcen und die Umwelt zu beeinträchtigen. Zwei Merkmale unterscheiden sie von anderen Formen sogenannter „ökologischer“ Landwirtschaft: ihre wirtschaftliche und soziale Dimension.
Was bedeutet das konkret ? Auf wirtschaftlicher und menschlicher Ebene engagieren sich nachhaltige Landwirte für die lokale Entwicklung, die Einhaltung der Arbeitsbedingungen und die Gesundheit von Arbeitnehmern und Anwohnern. Bei landwirtschaftlichen Arbeitskräften treten weniger Berufskrankheiten aufgrund von Pestizidexposition auf und es entwickeln sich stärkere Verbindungen innerhalb der Region. Während manche Bio-Produkte in Gewächshäusern angebaut und dann über Tausende von Kilometern transportiert werden, festigt die nachhaltige Landwirtschaft durch Direktverkauf und kurze Transportwege ihre Beziehung zur lokalen Bevölkerung.

Hinsichtlich ihrer Techniken ähnelt die nachhaltige Landwirtschaft der Agroforstwirtschaft oder der Agroökologie: Die Rückkehr zu einer vernünftigen Landwirtschaft, die Ressourcen schont, Abfälle vermeidet und Kulturen und Arten schützt, zielt zunächst auf eine gewisse Autonomie. Nutztiere werden beispielsweise so lange wie möglich auf der Weide gefüttert, was billiger ist als Mais, dessen Produktion zudem erhebliche Umweltauswirkungen hat. Manchmal wird auf der Weide Klee gepflanzt, um den Stickstoff aus der Luft zu holen und ihn in Nährstoff für das Feld umzuwandeln. Zu den wichtigsten Veränderungen, die in nachhaltigen Betrieben festgestellt werden, gehört die optimale Nutzung der natürlichen Ressourcen – insbesondere des Wassers. Die Verwertung pflanzlicher Abfälle als Kompost und tierischer Abfälle als Mist bildet eine Grundlage für die Düngung des Bodens sowie der Verbesserung seiner Struktur. Die Reduzierung des Einsatzes von Düngemitteln und Pestiziden, ohne sie unbedingt ganz abzuschaffen, ist eine weitere gängige Praxis.

Mehr Autonomie und steigende Erträge

Allein durch die Konzentration auf eine bessere Wassernutzung, die Verbesserung der Bodenqualität und die Begrenzung der Nutzung synthetischer Substanzen kann die nachhaltige Landwirtschaft die Produktion maßgeblich steigern. Und das nicht nur in den Industrieländern. Forscher der englischen Universität Essex, die 286 Projekte (37 Millionen Hektar) in 57 Entwicklungsländern untersucht hatten, kamen zum Ergebnis, dass die Erträge durchschnittlich um rund 79 % angestiegen sind.

Während die landwirtschaftliche Produktion in den nächsten vierzig Jahren um 70 % gesteigert werden muss, um die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu decken –während gleichzeitig 13 Millionen Hektar Ackerland durch die Erweiterung der Städte verloren gehen –, stellt sich die nachhaltige Landwirtschaft als Modell mit erheblicher Macht dar, die leichter zugänglich ist als Bio, ohne etwas an ihren Anforderungen zu ändern.

Quellen:
http://www.agriculture-durable.org/lagriculture-durable/quest-ce-que-cest/
https://reporterre.net/Climat-l-agriculture-est-la-source
https://www.agencebio.org/wp-content/uploads/2019/11/Carnet_UE_Grandes_Cultures_Bio_oct2019.pdf
https://www.geo.fr/environnement/agriculture-biologique-35870
https://www.geo.fr/environnement/agriculture-durable-definition-principes-et-enjeux-193859
https://www.sustainabledevelopment2015.org/AdvocacyToolkit/index.php/earth-summit-history/historical-documents/92-our-common-future
http://www.agriculture-durable.org/
https://www.actu-environnement.com/ae/dictionnaire_environnement/definition/agriculture_durable.php4
https://www.alimenterre.org/system/files/ressources/pdf/644_sust_pretty_final_1.pdf
https://www.alimenterre.org/l-agriculture-durable-accroit-les-rendements-dans-les-pays-en-developpement
https://www.fondation-nature-homme.org/magazine/agriculture-bio-permaculture-agroecologie-quelles-differences
https://www.cairn.info/revue-vraiment-durable-2013-1-page-71.htm#
https://www.consoglobe.com/top-20-pays-agriculture-durable-cg
https://www.barillacfn.com/m/publications/fixingfood2018-2.pdf