Biodiversität: warum sie uns alle etwas angeht

Atmen, Essen, Wasser trinken – unsere alltäglichen, lebenswichtigen Handlungen basieren auf einem Fundament: der Biodiversität. Der Begriff umschreibt ein komplexes Konzept, das alle Lebewesen, ihre Interaktionen und ihre Umwelt umfasst. Die Biodiversität ist heute bedroht. Und mit ihr könnte die ganze Welt, wie wir sie heute kennen, verschwinden. Einige Erläuterungen.

 

Der Begriff Biodiversität ist eine Verkürzung des Ausdrucks „biologische Diversität“. Er tauchte Mitte der 1980er Jahre auf und wurde auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 populär, wo Biodiversität als “Vielfalt innerhalb und zwischen den einzelnen Arten sowie die der Ökosysteme“ definiert wurde. Der Begriff ist weit gefasst, und das aus gutem Grund! Er bezeichnet die gesamte Lebenswelt, die in drei zusammenhängenden Bereichen organisiert ist:

– Die Vielfalt der Lebensräume: von der Zelle, die Parasiten beherbergen kann, über den Garten eines Privathauses bis hin zu den Ozeanen.
– Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die untereinander, sowie mit ihren Lebensräumen verbunden sind.
– Die Vielfalt der Individuen innerhalb jeder Art.

Diese unglaubliche Verflechtung der Lebewesen, ihrer Interaktionen und ihrer Ökosysteme ist das Ergebnis von 3, 5 Milliarden Jahren Evolution. Im Laufe der Zeit hat die Biodiversität eine Welt mit einem nachhaltigen, aber empfindlichen Gleichgewicht geschaffen.

Alles ist miteinander verbunden !

« Jedes Lebewesen hat eine besondere Aufgabe, die auch unser Leben und unsere Entwicklung möglich macht ».

So wirken Regenwürmer auf die Struktur des Bodens ein: Indem sie Tunnel graben, begünstigen sie die Versickerung von Wasser und begrenzen Oberflächenabfluss und Erosion. Mehr als 70 % der Nutzpflanzen hängen von der Bestäubung durch Tiere ab. Den Großteil unseres Obsts und Gemüses verdanken wir den Insekten, die den größten Teil der Bestäubung erledigen.

 

Pflanzen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unter anderem absorbieren und speichern sie CO2 aus der Luft und liefern uns Wirkstoffe für viele Medikamente. Feuchtliebende Arten beziehen die Nährstoffe, die sie benötigen, aus dem Wasser und tragen so zu dessen Reinigung bei. Korallenriffe schützen die Küstenlinien vor Tsunamis, usw. Die Liste ist endlos.

 

Werden die Lebensgewohnheiten einer Tierart gestört oder der Lebensraum einer Pflanze verändert, so kann dies eine Kettenreaktion auslösen mit verheerenden Auswirkungen auf das empfindliche Gleichgewicht, von dem die Biodiversität abhängt. Wenn sich nur die Blütezeit eines Obstbaums verändert, verschwinden bestimmte Pflanzen, was sich wiederum direkt auf die Ernährungsgewohnheiten der lokalen Tierarten und damit auf ihre Präsenz in diesem Gebiet oder sogar ihr Überleben auswirkt. Wir müssen verstehen: Alles ist miteinander verbunden.

Menschliche Aktivitäten bedrohen die Biodiversität

«Das empfindliche Gleichgewicht der Biodiversität wird vor allem durch menschliche Aktivitäten bedroht ».

Verstädterung, Entwaldung, intensive Landwirtschaft, Verschmutzung von Wasser, Boden und Luft, aber auch die Einführung invasiver Arten (Biberratte, Wildgans) und der Klimawandel setzen die Biodiversität unter Druck, deren Elemente sich anpassen müssen… oder verschwinden.

« Experten haben 1, 8 Millionen Tierarten erfasst; es sind aber in Wirklichkeit schätzungsweise zwischen 5 und 100 Millionen ».

Allerdings verschwinden sie heute in einem Tempo, das 100 bis 1.000 Mal höher ist als die natürliche Aussterberate: 40 % der Amphibien sind bedroht, sowie 25 % der Säugetiere und 14 % der Vögel. Dabei sind die Arten nicht mitberücksichtigt, die aussterben, bevor wir sie überhaupt entdecken und ihre Rolle in unseren Ökosystemen kennenlernen können. Dazu kommen Pflanzenarten, wie etwa die Nadelbäume, von denen 34 % vom Aussterben bedroht sind.

Die Biodiversität und die natürlichen Gleichgewichte erhalten

Da alles verbunden ist, sind die Risiken, die wir bei der Zerstörung der Biodiversität eingehen, enorm: hinsichtlich Klima, durch zunehmend extreme Wetterereignisse (Dürren, Tsunamis, usw.), Gesundheit (Auftreten von krankheitsübertragenden Insekten), und Landwirtschaft (Migration von Schädlingen und Krankheiten, Flächenbrände, usw.). Das Gleichgewicht, auf dem unsere Gesellschaften gründet, ist direkt bedroht. Viele Menschen sind sich der Gefahr bewusst und ergreifen Maßnahmen, wie zum Beispiel Landwirte, die Hecken pflanzen, agro-ökologische Infrastrukturen einrichten oder in ihren Obstgärten Nistkästen bauen.

« Die gute Nachricht ist, dass jeder mit einfachen Maßnahmen etwas tun kann: »

beim Spaziergang in der Natur die Tiere nicht stören, keinen Abfall auf den Boden werfen, die CO2-Produktion begrenzen, beim Hausbau an Schutzräume für die lokale Fauna denken. Die Maßnahmen sind klein, haben aber viele positive Auswirkungen. In der Vielzahl liegt ihre Kraft.