Lebensmittelverschwendung: welche konsequenzen für den planeten ?

Mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittel verderben weltweit pro Jahr oder werden weggeworfen. Dies ist angesichts der bestehenden Armut und des Hungers nicht nur eine enorme Verschwendung, sondern hat auch bedeutende Auswirkungen auf die Umwelt. Ein Blick auf die allzu oft übersehenen ökologischen Konsequenzen der Lebensmittelverschwendung.

 

Im gesamten Zyklus von Produktion, Vertrieb und Verbrauch fällt Lebensmittelverschwendung an.

« Jedes Jahr verderben weltweit 1, 3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel ».

Dabei könnte laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die verlorene Getreideproduktion in Subsahara-Afrika den jährlichen Mindestbedarf an Nahrungsmitteln von 48 Millionen Menschen decken.

Aber diese Verluste haben auch schwerwiegende Folgen für die Umwelt: Einerseits stellen sie eine unnötige Belastung der natürlichen Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen dar (Güter und Dienstleistungen, die der Mensch aus den Ökosystemen bezieht, wie z.B. Bestäubung); andererseits erzeugen sie Verschmutzungen, die sich auf den Klimawandel auswirken.

Unnötige Belastung für Wasser, Land und Biodiversität

Im Jahr 2007 dienten 1, 4 Millionen Hektar Anbaufläche für die Produktion von Nahrungsmitteln, die nie konsumiert wurden. Auf dieser Fläche, größer als Kanada und Indien zusammen, wurden unnötig synthetische Hilfsstoffe ausgebracht, die Bodenfruchtbarkeit, Wasserqualität und lokale Biodiversität beeinträchtigen. Dasselbe gilt für Süßwasser: 2007 wurden 250 km3 – das dreifache Volumen des Genfer Sees – unnötig verbraucht.

Das Argument der wachsenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird auch zur Rechtfertigung von Rodung und Entwaldung herangezogen. Während 28 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche dazu dienen, Nahrungsmittel zu produzieren, die im Müll landen, werden jedes Jahr 10 Millionen Hektar abgeholzt, um den weltweiten Nahrungsmittelverbrauch zu befriedigen.

« Die Lebensmittelverschwendung trägt so zur Verwandlung von Wildnis in landwirtschaftliche Flächen bei - zum Nachteil der Tier- und Pflanzenwelt ».

Sie fördert auch den immer weiter steigenden Fischereiaufwand mit den gleichen negativen Auswirkungen auf die Meeresumwelt.

Beitrag zum Klimawandel

Die Landwirtschafts- und Ernährungssysteme hängen in hohem Maße von fossilen Brennstoffen ab. Daher trägt die Lebensmittelverschwendung auch zum Klimawandel bei. Auf fast allen Produktions- und Vertriebsstufen wird Erdöl eingesetzt: Düngemittelherstellung, Pflanzung, mechanisierte Ernte, Kühllagerung, Transport, Verarbeitung, Kochen usw. Bereits 2010 betrug laut Einschätzung einer Studie der Universität Austin die Energie im Zusammenhang mit der Lebensmittelverschwendung in den Vereinigten Staaten 2 % des jährlichen Energieverbrauchs. Und der Kreislauf ist damit nicht zu Ende, denn auch in den Abfallentsorgungsanlagen wird Energie verbraucht die ihrerseits die Umwelt verschmutzt.

Denn Lebensmittel, die ohne ein Verwertungsprojekt weggeworfen werden, enden entweder im Boden, wo sie auf die Qualität des Bodens und des Wassers einwirken, oder auf Deponien, wo sie sich zersetzen und Methan freisetzen, ein Gas, das 25 Mal stärker ist als Kohlendioxid. Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, so wäre es laut FAO nach den Vereinigten Staaten und China der drittgrößte Emittent von Treibhausgasen.

Jede Geste ist wichtig

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Jeder kann Maßnahmen ergreifen, um die Verschwendung zu begrenzen.

« Verbraucher können ihre Lebensmitteleinkäufe planen und sicherstellen, dass die Lebensmittel korrekt gelagert werden ».

Hersteller können technische Errungenschaften nutzen, um eine bessere Lagerung und Konservierung der Produkte zu gewährleisten. Sie können auch Obst und Gemüse, das nicht den Anforderungen der Lastenhefte entspricht, der weiterverarbeitenden Industrie zukommen lassen, oder indem sie nicht absetzbare Produkte für Tierfutter, Kompostierung oder Methanisierung verwenden. Die Lebensmittelindustrie entwickelt ihrerseits Methoden, um die Menge an unverkauften Produkten zu verringern, wie etwa die Aktion „Unförmiges Obst und Gemüse“. Und schließlich müssen Politiker umfangreiche Aktionen zur Sensibilisierung durchführen, sowie Maßnahmen ergreifen, um Lebensmittelabfälle auf Deponien zu beschränken, oder Produzenten die Genehmigung erteilen, alles zu ernten, was wächst. Es gibt Lösungen – warten wir nicht länger darauf sie umzusetzen !